Spreiz-, Senk- und Plattfuß - Es muss nicht immer gleich eine OP sein

Interview im Ärztemagazin 02/18  Berliner Morgenpost

 

“Eigentlich gibt es ,den‘ perfekten Fuß nur im Lehrbuch“, weiß Dr. Tonio Gottlieb. „Ich spreche lieber von einem Durchschnittsfuß“, erklärt der Facharzt für Chirurgie und zertifizierte Fußchirurg aus Zehlendorf. „Der hat ein Längsgewölbe mit ,normaler‘ Höhe - also nicht zu hoch und nicht zu niedrig. Die Ferse ist nicht zu stark nach außen oder innen gestellt und die Stellung des Fußes ist auch in allen anderen Ebenen der Norm entsprechend.“ Doch bei vielen senkt sich im Laufe der Zeit das Längsgewölbe des Fußes – es entsteht ein Senkfuß. Meist knickt gleichzeitig der Fuß zur Seite (Knick- oder Knick-Senkfuß). Der Senkfuß geht oft in einen Plattfuß über - es kommt zur Abflachung des Fußgewölbes. „Dabei ist es ähnlich einer krummen Nase - nicht schön, aber wenn ich dadurch gut Luft bekomme, kein Problem“, erklärt Dr. Gottlieb. Erst, wenn Schmerzen auftreten - etwa auf der Innenseite des Fußknöchels, der auch anschwellen und sich entzünden kann, oder wenn der Großzehballen schmerzt - rät der Fußexperte, einen Facharzt aufsuchen. „Ich versuche, wann immer möglich, konservativ mit orthopädischen Einlagen durch bessere Druckverteilung die Belastung zu reduzieren“, beschreibt Dr. Gottlieb. „Zum anderen kann ich die Belastungsfähigkeit steigern – durch Krankengymnastik oder als letztem Ausweg durch eine minimalinvasive OP, wenn bereits Sehnen oder Gelenke beeinträchtigt sind.“ Ziel ist es dann, die Fehlstellung zu beseitigen, bevor die Gelenke zu sehr geschädigt werden. Je nach Ursache wird der Plattfuß an den Bändern, Sehnen oder der Gelenkkapsel und ggf. auch auf Knochenebene (Osteotomien oder Versteifung von Rückfußgelenken) korrigiert. „Um ein Problem detailliert zu erfassen, braucht man viel Zeit - Fließbandarbeit wäre fehl am Platz“, meint Dr. Gottlieb. Schließlich muss neben der Statik des Fußes immer auch die des gesamten Körpers berücksichtigt werden. „Nur so können Sie auch nachhaltig und ursachenorientiert behandeln.“

 Autor: Peter Claußen
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