• Hammerzehe
  • Krallenzehe
  • Mallet Zehe
  • digitus superductus

Es können Fehlstellungen im Grund- (MTP-), körpernahen-(PIP-) und körperfernen (DIP-) Zehengelenk auftreten. Im Grundgelenk handelt es sich ausschließlich um eine Fehlstellung Richtung Fußrücken (Dorsalextension) bis hin zur Ausrenkung des Gelenkes. Im körpernahen und im Zehenendgelenk kann es zu einer Beugefehlstellung (Plantarflexion) und Überstreckung (Dorsalextension) kommen. Natürlich kommen meist Kombinationsfehlstellungen der erwähnten Gelenke zustande, die dann  zu Eigennamen führen. Es wird von Hammerzehe,  Krallenzehe und Klauenzehe gesprochen.  Weitere Begriffe welche in diesem Zusammenhang benutzt werden sind: Schwanenhalsdeformität, Digitus superductus, Mallet Zehe (siehe Tabelle). Die Nomenklatur ist im angelsächsischen gegenüber dem deutschen und französischen Raum sehr unterschiedlich und teilweise nicht übersetzbar. Die systematischste Nomenklatur scheint es im französischen Sprachraum zu geben : "griffe" dist/prox./double/invers. Aufgrund dieser undurchsichtigen Lage, was die Nomenklatur im deutschsprachigen Raum betrifft, bestehen Überlegungen der Fachgesellschaften diese zu reformieren.

Hammerzehe

Hammerzehe

Grundgelenk
dorsalextendiert
PIP-Gelenk
plantarflektiert
DIP-Gelenk
dorsalextendiert

Krallenzehe2

Krallenzehe/ Klauenzehe

Grundgelenk
normal /dorsalextendiert
PIP-Gelenk
plantarflektiert
DIP-Gelenk
plantarflektiert

Schwanenhalsdeformität

Grundgelenk
normal
PIP-Gelenk
dorsalextendiert
DIP-Gelenk
plantarflektiert

Mallet Zehe

Grundgelenk
normal
PIP-Gelenk
normal
DIP-Gelenk
plantarflektiert

Digsuperductus2

Digitus superductus

Grundgelenk
dorsalextendiert und luxiert/subluxiert
PIP-Gelenk
plantarflektiert
DIP-Gelenk
plantarflektiert oder  dorsalextendiert
Besonderheit
legt sich über eine andere Zehe

Pathophysiologie: Die Ursachen dieser Fehlstellungen sind mannigfaltig, es werden folgende Ursachen und Pathomechanismen beschrieben.

Flexorstabilisierend: Bei diesem Pathomechanismus handelt es sich um einen Versuch der Zehen die Fußstatik zu stabilisieren. Häufig ist dieser Mechanismus mit Störungen der Statik des Gesamtfußes, wie es z.B. beim Plattfuß auftritt, vergesellschaftet. Instabilitäten in der Fußstatik, insbesondere im Vorfuß, führen zu kompensatorischen Beugeaktionen der langen Zehenbeuger. Auf Höhe des Grundgelenkes können diese Muskeln überhand über die Muskeln, welche das Grundglied im Grundgelenk plantaflektieren (M. interossei) bekommen. Die Kraft verliert ihre Führung, der lange Flexor wirkt dann am Grundgelenk paradoxerweise dorsalextendierend und zieht den Zeh, wie eine Zieharmonika, zusammen. Der flexorstabilisierende Pathomechanismus ist der häufigste Grund von Zehenfehlstellungen.

Beugend substituierender oder flexorsubstituierender Pathomechanismus: Dieser Pathomechanismus ist häufig bei Füßen zu beobachten, welche durch eine schwache Wadenmuskulatur gekennzeichnet sind. Der Versuch der Zehenmuskulatur eine schwache Wadenmuskulatur auszugleichen, führt zu einer Übermacht der langen Beugemuskulatur auf Höhe des Grundgliedes , welche hier nur eine Dordsalextensionskraft entwickeln können, gegenüber den schwachen Plantarflektoren (M. interossei).

Extensorsubstituierender Pathomechanismus: die lange Streckmuskulatur der Zehen ist ein extrinsischer Muskel des Fußes, welcher auch im oberen Sprunggelenk als Dorsalextensor aktiv ist. Besteht eine eingeschränkte Möglichkeit des Fußes, aus welchen Grund auch immer, in dem oberen Sprunggelenk dorsal zu extendieren, aktiviert der Unterschenkel alle Muskeln, die potentiell den Fuß heben können. Dies betrifft auch den langen Zehenstrecker, welcher, um diese Funktion als Fußheber erfüllen zu können, zunächst alle Gelenke der Zehen bis zum Anschlag strecken (dorsalextendieren) muss. Dabei übersteigt die Dorsalextensionskraft der Zehen bei Weitem die Plantarflektoren (M. interossei) in den Zehen am Grundglied. Zusätzlich werden durch die exzessive Dorsalextesnion im Grundgelenk die Mittelfußknochenköpfchen fußbodenwärts gedrückt. Häufig kommt diese Zehenfehlstellung bei flexiblen Hohlfüßen vor, so dass dieser Mechanismus zusätzlich die Hohlfußstellung verstärkt. Zudem kommt es bei jeglicher Art von Spitzfuß zur Aktivierung dieses Mechanismus.
Nicht zuletzt führt auch ein Riss durch Überlastung der plantaren Platte (und damit Kapsel) unter den Mittelfußknochen zu dem Verlust der Führung des Grundgelenkes dieser Zehe. Ist die Führung einmal verloren, ziehen alle Muskeln das Gelenk in die Fehlstellung.