Die Großzehe ist im Bezug auf die Mittellinie des Körpers nach außen abgewinkelt. Die Großzehe, kann dabei unter der zweiten Zehe zu liegen kommen. Hierzu kommt es aufgrund einer Abweichung des ersten Mittelfußknochens nach innen. Unter dem Hallux-valgus ist eine dreidimensionale Fehlstellung zu verstehen.

Der Hallux-abducto-valgus (Großzehenballen) ist eine komplexe, dreidimensionale Deformität, die die Beziehung der Großzehe zum Großzehengrundgelenk bzw. zur Mittellinie des Körpers bezeichnet. Die Großzehe ist im Bezug auf die Mittellinie des Körpers nach außen abgewinkelt. Die Großzehe, kann dabei unter der zweiten Zehe zu liegen kommen. Hierzu kommt es aufgrund einer Abweichung des ersten Mittelfußknochens nach innen. Unter dem Hallux valgus ist eine dreidimensionale Fehlstellung zu verstehen.

Sie betrifft folgende Ebenen:

Frontal: Innenrotation der Großzehe (Hornhautschwiele liegt innen, der äußere Anteil der Großzehe ist zum Fußrücken gedreht)
Seitliche Ebene:
 Abweichung der Großzehe nach außen in Richtung auf die zweite Zehe
Sagittale Ebene: Die Großzehe ist mit dorsaler oder plantarer Abweichung rotiert. Die Hallux-valgus-Deformität ist somit durch eine Abweichung nach außen sowie eine zunehmende Rotation der Großzehe im Grundgelenk und eine Abweichung nach innen des ersten Mittelfußknochen mit einem nach innen vorstehenden Mittelfußknochenkopf gekennzeichnet. Zusätzlich kann eine lokale Reizung durch das Schuhwerk am Großzehengrundgelenk zur Ausbildung eines flüssigkeitsgefüllten Schleimbeutels führen.

Verteilung (Epidmiologie) der Hallux- abducto-valgus-Deformität in der Bevölkerung

Die am häufigsten anzutreffende Deformität der unteren Extremität ist der Hallux–abducto- valgus. 10% der Bevölkerung leiden unter einer Fußerkrankung (1). Das Verhältnis zwischen männlich und weiblich beim Hallux valgus beträgt 1:3-4. In Untersuchungen von Bevölkerungen, die teilweise Schuhwerk tragen (2) wurde eine Haufigkeit von 2-48% des HAV entdeckt, abhängig davon, ob sie Schuhe tragen oder nicht. In Untersuchungen von Marcinko (3) (Nordamerika) waren 8-10% der weiblicheh Bevölkerung und 1-2% der männlichen Bevölkerung vom juvenilen Hallux-valgus betroffen. Tritt ein juveniler Hallux- valgus auf, scheint die Deformität rascher zu verschlechtern und erfordert eine frühere Behandlung als im Erwachsenenalter. 

Ursache (Ätiologie) des Hallux-valgus

Historische Untersuchungen weisen auf eine erbliche Belastung von 60-80% aller Hallux-valgus Patienten hin. Untersuchungen über den Einfluss des Schuhwerkes wurden an Populationen durchgeführt, welche zur Hälfte Schuhe trugen (4). Hier zeigte sich bei der schuhtragenden Bevölkerung eine Inzidenz von 33% gegenüber 1,9%. Bei der Untersuchung von südafrikanischen Mädchen und Frauen zwischen 2 und 20 Jahren (5) zeigte sich, dass nach dem Alter von 5 Jahren das Vorkommen der Deformität nur in der weißen Bevölkerung stark zunahm, da diese mit der Einschulung in der Regel regelmäßig Schuhe tragen. Mechanisch gesehen, drängen schlecht sitzende Schuhe den Fuß in die Eversion. Dies führt zu einem muskulären Ungleichgewicht mit einer eher medial gelegenen Hauptbelastungszone am Fuß, so die Schlussfolgerung einer Untersuchung (6). Andere Autoren (7, 8) wiederum können das Schuhwerk als ursächlichen Faktor bei der Entstehung der Deformität nicht bestätigen. Es gibt sogar die Überlegung (9), dass jede Frau einen Hallux-valgus entwickeln müsste, wären die Schuhe der Hauptauslöser. Auch gab es Untersuchungen (10) von einer westafrikanischen, barfuß-gehenden Population, in der Hallux-abdukto-valgus-Winkel von mehr als 20° festgestellt wurden.

Straus und Schulz (11,12) erklärten, dass durch Umstellung der Funktion des Fußes von einer Greiffunktion auf eine statische Funktion  vor ca.5-7 Millionen Jahren,  eine konstitutionlle Schwachstelle zwischen I und II Mittefußknochen bzw. im Lisfranc Gelenk geblieben ist. Basierend hierauf spricht Lapidus (13,14) von einer atavistischen Fehlstellung, bei der der erste Strahl des Fußes seine Oponensstellung nicht vollständig zurückgebildet hat. Hiernach ist eine Instatbilität im Übergang der Fußwurzel zum Mittelfuß auf Höhe des I. und II. Strahls verantwortlich für das Auseinanderweichen der Miittelfußknochen I und II bei Belastung.  

Entwicklung der Fehlstellung

Unabhängig von der Ursache der Fehlstellung kommt es bei der Hallux-valgus-Deformität zu einem mechanischen Ungleichgewicht im Großzehengrundgelenk. Hieraus resultiert eine Innenabweichung des ersten Mittlfußknochenkopfes, wobei die Großzehe durch den Muskelzug (M. adductor Hallucis) nach außen (in „Valgusstellung“) gezogen wird. So kommt es, dass der Mittelfußknochenkopf über den Sesambeinkomplex hinweggleitet. Somit wird das Großzehen-grundgelenk sowie dessen Sesambeine ausgerenkt. Die Ausrenkung verursacht Knorpelschäden und somit Schmerzen. Außerdem werden durch die Zugrichtung sämtliche das Großzehengrundgelenk betreffende Muskeln beeinträchtig: einerseits wird die Fehlstellung verstärkt (Großzehen-beuger und Strecker) und andererseits wird der einzige Muskel, der in Gegenrichtung zieht (M. abduktor hallucis) durch die Verlagerung zur Fußsohle dieser Fähigkeit beraubt. Exzessive Valguskräfte auf die Großzehe während des Gehvorganges führen zur Deviation in der Frontalachse mit Ausbildung einer Hyperkeratose auf der inneren Beugeseite des Hallux und des Großzehengrundgelenkes.

(1) Engle ET, Morton DJ: Notes on foot disorders among natives of the belgian Congo. J.Bone Surg 1931; 13:311-318
(2) Shine IB: Incidence of hallox valgus in a partially shoe wearing community. Br Med J 1965; 6:1648.
(3) Marcinko DE:Hallux valgus,Morphologie,Klinik,operative Therapie
(4) Sim-Fook L, Hogdson AR: A comparison of foot forms among the non shoe and shoe-wearing Chinese population. J. Bone Joint Surg (Am) 1955;40:1050-1062
(5) Gottschalk FAB, Sallis JG, Beighton PH, Solomon L:A comparison of the prevalence of hallux valgus in three south african populations. S Afr Med J1980; 57:35-357
(6) Root ML, Orien WP, weed H: Forfoot deformity caused by abnormal subtalar joint pronation, in Normal and Abnormal Function of the foot, vol2,clinical Biomechanics. Los Angeles, Clinical Boimechnics Corp, 1977, pp 349-462
(7) Hiss MJ: Hallux valgus:Ist cause and simplified treatment. Am J Surg 1931;11:51-57
(8) HARDY RH, CLAPHAM JC: Observations on hallux valgus; based on a controlled series. J Bone Joint Surg Br. 1951 Aug;33-B(3):376-91.
(9) Gerbert J, sokiloff TH (eds): Textbook of union Surgery. Mt Kisco, NY, futura Publishing Co 1981
10) Barnicott TN, Hardy RH: Th e psoition of the hallux in west Africans. J. Anat 1955;89:355.
(11) Straus WL,:Growth of the human foot and its significance;Contribution to Embriology,No101,19,pp. 93-134.Aug.1927
(12) Schultz AH: The skeleton of trunk and limbs of the higher Primates; Human Biologiy, 2,pp. 303-348,Sept.1930
(13) Lapidus PW (1934)Operative correction of the metatarsus varus primus in hallux valgus. Surg Gynecol Obstet 58:183-191
(14) Lapidus PW (1956) A quarter of a century of experience with the operative correction of the metatarsus varus primus in hallux valgus 50th anniversary Bulletin for the Hospital of joint diseases. Vol XVII No.2