Ein Hohlfuß (Pes Cavus) ist weit mehr als nur ein „hoher Spann“. Er ist eine komplexe dreidimensionale Deformität, die die Biomechanik des gesamten Beines verändert. Als spezialisierter Fußchirurg mit über 20 Jahren Erfahrung erlebe ich in meiner Praxis in Berlin häufig Patienten, die erst dann Hilfe suchen, wenn Schmerzen chronisch geworden sind oder das Sprunggelenk bereits Schaden genommen hat. Doch wann ist der richtige Zeitpunkt für eine Operation? Und welche Möglichkeiten bietet die moderne Fußchirurgie, um die Gehfähigkeit und Lebensqualität dauerhaft zu erhalten?

In diesem Beitrag informiere ich Sie umfassend über die Indikationen zur Operation, meine Philosophie der gelenkerhaltenden Chirurgie und zeige Ihnen anhand eines konkreten Fallbeispiels aus meiner Praxis, was medizinisch heute möglich ist.

Der Hohlfuß: Eine biomechanische Kettenreaktion

Im Gegensatz zum Senk- oder Plattfuß ist das Längsgewölbe beim Hohlfuß krankhaft überhöht. Dies führt dazu, dass der Fuß beim Gehen nicht mehr vollflächig abrollt, sondern das Körpergewicht fast ausschließlich auf der Ferse und dem Vorfuß lastet. Diese Fehlbelastung löst dann entsprechend weitere körperliche Fehlstellungen aus.

Ein entscheidender Faktor, der den Hohlfuß problematisch macht, ist die häufig begleitende Rückfuß-Varus-Fehlstellung: Dabei knickt die Ferse nach innen weg (ähnlich einer O-Stellung) und dies führt zu einer enormen Überlastung der Außenbänder und des oberen Sprunggelenks.

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Typische Warnsignale und Symptome bei einem Hohlfuß

Patienten, die meine Sprechstunde aufsuchen, berichten oft von einem schleichenden Prozess. Anfangs sind es nur Schwierigkeiten, passendes Schuhwerk zu finden oder ein gelegentliches leichtes Wegknicken des Fußes. Doch die Symptome bei einem Hohlfuß intensivieren sich mit der Zeit:

  • Instabilität: Häufiges Umknicken (Supinationstrauma) ist das Leitsymptom. Die Bänder leiern aus, das Gelenk wird instabil.
  • Schmerzen: Sie können an sehr unterschiedlichen Stellen auftreten: Am Außenknöchel, über dem Spann, unter dem Mittelfußköpfchen (Metatarsalgie) und an der Außenkante des Fußes.
  • Krallenzehen: Durch das muskuläre Ungleichgewicht verformen sich die Zehen.
  • Ermüdung: Die Wadenmuskulatur ist oft verkürzt und verhärtet, das Gehen wird anstrengend.

 

Dr. med. Tonio Gottlieb:

„Viele Patienten betrachten das häufige Umknicken als eine Art Ungeschicklichkeit. Aus medizinischer Sicht ist es jedoch ein ernstes Alarmzeichen. Ein instabiler Hohlfuß wirkt wie Schmirgelpapier auf den Knorpel im Sprunggelenk. Mein Ziel ist es, einzugreifen, bevor eine irreversible Arthrose entsteht. Wir operieren nicht nur die Form des Fußes, wir retten das Gelenk.”

 

Fundierte Diagnostik: Der Bauplan für Ihre Füße

Eine erfolgreiche Hohlfuß-Korrektur beginnt lange vor dem ersten Schnitt. Um die genaue Biomechanik zu verstehen und die Operation millimetergenau zu planen, setze ich auf eine mehrstufige Spezialdiagnostik.

Hierbei kommen genau die Verfahren zum Einsatz, die in Ihrem individuellen Fall erforderlich sind, und die auch zum Teil in der gezeigten Fallstudie zu sehen sind:

1. Persönliches Gespräch, klinische Untersuchung und Podoskopie (Fußdruckmessung)

Zusätzlich zum persönlichen Gespräch und der klinischen Untersuchung erfolgt die visuelle Analyse auf dem Podoskop. Dabei steht der Patient auf einem Gerät mit einer beleuchteten Glasplatte, die über einen Spiegel das Belastungsmuster der Fußsohle sichtbar macht.

  • Was wir sehen: Beim gesunden Fuß zeigt der Abdruck eine breite Verbindungsbrücke zwischen Ferse und Vorfuß. Beim Hohlfuß hingegen fehlt dieser Kontakt oft vollständig (wie auf den „Vorher“-Bildern zu erkennen).
  • Die Erkenntnis: Das Podoskop zeigt die pathologische Druckverteilung. Wir sehen exakt, wo die Überlastung stattfindet – meist punktuell auf der Ferse und den Mittelfußköpfchen – und wie stark die Ferse nach innen wegknickt (Varus-Fehlstellung).

2. Röntgen unter Belastung (Weight-Bearing X-Ray)

Herkömmliche Röntgenbilder im Liegen haben für die statische Beurteilung nur begrenzten Wert, da sich der Fuß ohne Körpergewicht entspannt. Für eine präzise OP-Planung sind Röntgenaufnahmen unter Belastung (im Stehen) unverzichtbar.

  • Seitliche Aufnahme: Hier beurteile ich die Steilstellung des Fersenbeins (Kalkaneus) und die Höhe des Längsgewölbes.
  • Vorderansicht: Zeigt die Ausrichtung des Sprunggelenks und eventuelle Verschleißerscheinungen (Arthrose). Das oben gezeigte Röntgenbild demonstriert eindrucksvoll, wie wir mithilfe dieser Aufnahmen die spätere Position der Schrauben und Platten exakt berechnen können. 

Wann kommt ein Hohlfuß-Operation in Betracht?

Die Hauptindikationen Hohlfuß-Operation sind:

  1. Chronische Instabilität: Wenn Bänderplastiken allein nicht mehr ausreichen, weil die knöcherne Achse nicht stimmt.
  2. Muskelschwäche: Versagen der ausbalancierenden Muskulatur. Diese ist meist chronisch überlastet und kann reißen.
  3. Strukturelle Progredienz: Wenn sich die Fehlstellung verschlimmert und droht, steife (rigide) Formen anzunehmen.
  4. Arthrose-Gefahr: Wenn durch die Fehlbelastung ein asymmetrischer Verschleiß im oberen oder unteren Sprunggelenk droht oder bereits begonnen hat.
  5. Versagen der konservativen Therapie: Wenn Schmerzen trotz Einlagen die Lebensqualität massiv einschränken.

 

Moderne Operationsverfahren: Gelenkerhalt im Fokus bei Dr. med. Tonio Gottlieb:

Als Experte für Fuß- und Sprunggelenkchirurgie setze ich auf moderne, differenzierte Operationsverfahren. Es gibt keine „Standard-Hohlfuß-OP”. Jeder Eingriff wird exakt auf die Anatomie des Patienten zugeschnitten. Mein chirurgischer Schwerpunkt liegt dabei auf dem Gelenkerhalt” 


Das chirurgische Konzept umfasst meist eine Kombination aus:

  • Korrektur der Beinachse: Je nach Ort der Deformität kann die Achskorrektur des Unterschenkels oder der Ferse erforderlich sein.
  • Weichteileingriffe: Reparatur vorhandener, gerissener Sehnen oder Versetzung von Sehnen (Sehnentransfer), um das muskuläre Gleichgewicht wiederherzustellen.Evtl. Verlängerung der Wadenmuskulatur (Gastrocnemius-Release).

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Fallbeispiel aus der Praxis: Hohlfuß bei varusbedingter Fehlstellung mit Vorher-Nachher-Bildern

Theorie ist wichtig, aber Ergebnisse zählen. Anhand des folgenden Patientenbeispiels mit Bildern zum Hohlfuß möchte ich Ihnen demonstrieren, wie eine komplexe Korrektur in meiner Praxis abläuft und welche Ergebnisse wir erzielen können.

Ausgangssituation (Vorher)

hohlfuss bilder praeoperativ vorher

Der Patient stellte sich mit einer “durch Nervenausfälle bedingte Hohlfuß-Situation” vor. Die Wadenmuskulatur sowie die äußere Steigbügelmuskulatur hatte keine Kraft. Die klinische Untersuchung und das Podoskop (Fußdruckmessung) zeigten das typische Bild:

  • Bild 1 & 2 (Podoskop von hinten & vorne): Man sieht deutlich die Varus-Fehlstellung der Ferse. Sie steht nicht gerade, sondern knickt nach innen. Bei einer Normalstellung der Ferse steht diese ca. 5 ° nach Außen im Vergleich zur Unterschenkelachse. Können kleinere Gelenke (unteres Sprunggelenk) dieses nicht kompensieren führt dies zu einem Drehmoment, welches die ausgleichende Muskulatur (Peronealmuskulatur) überfordern kann. Dies führt dann zu massiver Instabilität und Schmerzen an Stellen, die einem einseitigen Verschleiß ausgesetzt sind. Im vorliegenden Fall ist ein Zehenspitzenstand links nicht möglich, weil die Wadenmuskulatur “verkümmert” ist.
  • Bild 3 (Podoskop von unten): Das Belastungsmuster ist pathologisch. Es gibt fast nur Kontakt des Fußes zum Boden am Aussenrand. Das gesamte Gewicht lastet punktuell auf Ferse und auf dem Fußaußenrand, was zu Schmerzen und Schwielenbildung führte.

Die operative Korrektur

Aufgrund der Rigidität und der Schwere der Fehlstellung entschied ich mich für eine mehrdimensionale knöcherne Korrektur an Unterschenkel und Ferse sowie Wiederherstellung der Muskelkraft in Wade und Außenkante des Fußes durch Sehnentransplantationen. Das Ziel: Die Wiederherstellung einer physiologischen Belastungsachse, einer plantigraden (sohlenflächigen) Auftrittsfläche und der Kräfteverhältnisse auf Höhe des Sprunggelenkes.

Das Röntgenbild (seitlich) zeigt die Situation nach der Versorgung: Sie sehen moderne Osteosynthese-Materialien (Platten und Schrauben), die den Knochen in der neuen, korrigierten Position halten, bis er verheilt ist. Im Fersenbein und im Bereich des Mittelfußes wurden präzise Osteotomien durchgeführt, um das Gewölbe abzuflachen und die Ferse unter den Schwerpunkt des Beines zu bringen.

Das Ergebnis (Nachher)

hohlfuss bilder postoperativ nachher

Die postoperativen Bilder zeigen eine signifikante Verbesserung der Statik:

  • Bild 4 & 5 (Podoskop von hinten & vorne): Die Beinachse ist begradigt. Die Fersen stehen nun gerade unter dem Unterschenkel. Die Varus-Kippung ist korrigiert. Der Zehenspitzenstand ist wieder möglich.
  • Bild 6 (Podoskop von unten): Ein beeindruckendes Ergebnis in der Druckverteilung. Der Fuß hat nun wieder Kontakt unter dem ersten Strahl des Mittelfußes (der „Isthmus“ ist breiter). Die Last wird harmonisch über die gesamte Fußsohle verteilt, was die schmerzhaften Druckspitzen eliminiert.

Expertise bei Revisionseingriffen in der Fußchirurgie

Leider sehe ich in meiner Praxis zu häufig Patienten, die bereits voroperiert sind, aber mit dem Ergebnis unzufrieden sind oder unter erneuten Beschwerden leiden. Die Hohlfußchirurgie ist anspruchsvoll. Wird die Biomechanik nicht exakt berechnet oder werden Weichteileingriffe vernachlässigt, kehrt die Fehlstellung zurück oder es entstehen neue Probleme.

Als Spezialist für Revisionseingriffe analysiere ich fehlgeschlagene Voroperationen an Fuß- und Sprunggelenk detailliert. Oft ist eine Korrektur auch Jahre später noch möglich. Meine wissenschaftliche Arbeit auf diesem Gebiet hilft mir, auch für komplexe Fälle Lösungsstrategien zu entwickeln, die über Standardverfahren hinausgehen.

Dr. med. Tonio Gottlieb: „Mein Anspruch ist Perfektion – sowohl in der Diagnose als auch im OP-Saal. Gerade bei Revisionen oder komplexen Fehlstellungen reicht ‚gut‘ nicht aus. Durch meine über 20-jährige Spezialisierung und ständige wissenschaftliche Fortbildung kann ich meinen Patienten Sicherheit bieten. Wir schauen uns jedes Detail an, vom Knochen bis zur kleinsten Sehne, um die Funktion des Fußes bestmöglich wiederherzustellen.“

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Nachbehandlung und Rehabilitation

Eine Hohlfuß-Operation ist Teamwork zwischen Arzt und Patient. Die Nachbehandlung ist entscheidend für den Langzeiterfolg:

  • Ruhigstellung: Die zuverlässige Weichteilkonsolidierung erfolgt im Jones Dressing Cast . Anschließend erfolgt eine Entlastung in einem speziellen Stiefel (Walker) für ca. 6 Wochen.
  • Physiotherapie: Frühzeitige Lymphdrainage und später gezielter Muskelaufbau sind essenziell.
  • Rückkehr zum Sport: Je nach Umfang der OP ist leichter Sport (Schwimmen, Radfahren) oft schon nach 2,5 Monaten wieder möglich, Belastungssportarten nach ca.3-6 Monaten.

Mehr Lebensqualität durch Spezialisierung

Ein symptomatischer Hohlfuß sollte nicht ignoriert werden. Die moderne Fußchirurgie bietet exzellente Möglichkeiten, Fehlstellungen zu korrigieren, Gelenke zu erhalten und Schmerzen zu beseitigen. Vertrauen Sie auf einen Partner, der sich ausschließlich diesem komplexen Gebiet widmet.

Haben Sie Fragen zu Ihrer Fußsituation oder wünschen Sie eine Zweitmeinung? Ich lade Sie herzlich ein, sich in meiner Privatpraxis vorzustellen. Gemeinsam analysieren wir Ihre Situation und finden den besten Weg für Ihre Füße.

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Häufige Fragen zum Hohlfuß

Was ist ein Hohlfuß?

Ein Hohlfuß, in der Medizin als Pes Cavus bezeichnet, ist eine komplexe Fehlstellung, bei der das Fußgewölbe krankhaft stark nach oben gewölbt ist. Diese Verformung bringt die gesamte Statik des Beines aus dem Gleichgewicht und verhindert, dass der Fuß beim Gehen natürlich und vollflächig auf dem Boden abrollt.

Was kann man gegen einen Hohlfuß tun?

Die Behandlung reicht von konservativen Methoden wie speziellen Einlagen bis hin zu modernen, gelenkerhaltenden Operationen. Bei chirurgischen Eingriffen werden meist knöcherne Korrekturen an der Ferse oder dem Unterschenkel mit Weichteileingriffen wie Sehnentransfers kombiniert, um die natürliche Belastungsachse wiederherzustellen.

Wie sieht ein Hohlfuß aus?

Optisch zeigt sich ein Hohlfuß durch einen auffällig hohen Spann und ein stark nach oben gewölbtes Fußmittelstück. Im Belastungsbild des Podoskops ist zudem erkennbar, dass oft der Kontakt zwischen Ferse und Vorfuß fehlt und die Ferse häufig instabil nach innen wegknickt.

Welche Beschwerden entstehen durch einen Hohlfuß?

Typische Symptome sind eine chronische Instabilität mit häufigem Umknicken sowie Schmerzen am Außenknöchel, dem Spann oder unter den Mittelfußköpfchen. Zudem können sich Krallenzehen bilden und die Wadenmuskulatur kann sich schmerzhaft verkürzen, was das Gehen insgesamt sehr anstrengend macht.